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Fertigung · Fakten · Prozessketten

A-MIM – komplexe Metallbauteile ohne Formwerkzeug

Bei A-MIM (Additive MIM) entsteht die Geometrie, indem ein Grünling Schicht für Schicht aufgebaut wird – ein Bauteil aus Metallpulver, das zunächst ein Binder zusammenhält. Beim anschließenden Sintern, einer Wärmebehandlung unterhalb der Schmelztemperatur, verbinden sich die Metallpartikel: Das Material verdichtet sich zum metallischen Rohteil. Funktionsflächen wie Passungen, Gewinde oder Dichtsitze werden bei Bedarf nachbearbeitet.

Für welche Bauteile ist A-MIM interessant?

Typisch sind Metallbauteile von etwa 10 × 10 × 10 mm bis 150 × 100 × 80 mm mit bis zu rund 60 cm³ Volumen – in Edelstahl also bis etwa 470 g –, bei denen mindestens eines zutrifft:

  • Die Form ist komplex: innenliegende Kanäle, Hinterschnitte, Rippen oder Taschen.
  • Das Bauteil besteht heute aus mehreren Teilen, die gefügt oder montiert werden.
  • Ein großer Teil des Ausgangsmaterials wird heute zerspant.
  • Es gibt Varianten oder eine Bauteilfamilie, für die sich je Ausführung kein eigenes Formwerkzeug lohnt.

Wirtschaftlich interessant wird A-MIM meist ab einigen hundert Teilen im Jahr. Als Prüfbereich nennen wir 250 bis 50.000 Stück pro Jahr über die ganze Bauteilfamilie. Für Einzelteile und Kleinmengen bis etwa 50 Stück ist das Laserschmelzen meist günstiger.

Alle Werte sind Richtwerte, keine harten Grenzen. Bei der Größe spielen Bauraum, Gewicht beim Sintern und die Schwindung mit – also das Schrumpfen beim Sintern, das von Anfang an eingeplant wird.

Auch eine vorhandene Konstruktion ist ein sinnvoller Ausgangspunkt. Ob sie unverändert geeignet ist oder durch Anpassungen wirtschaftlicher wird, muss am konkreten Bauteil geprüft werden.
Kleine und mittlere Bauteile: typische A-MIM-Teile neben einem Messschieber
Bauteile bis etwa 150 × 100 × 80 mm
Für wiederkehrende Serien: viele gleiche A-MIM-Bauteile auf einer Bauplatte
Wiederkehrende Serien und Bauteilfamilien
Schrumpfung einplanen: der größere Grünling schrumpft beim Sintern zum Sinterrohteil
Der Grünling ist größer als das gesinterte Rohteil

Wo Vorteile entstehen können

Komplexe Geometrien: Schnitt durch ein A-MIM-Bauteil mit frei geführten inneren Kanälen

Komplexe Geometrien und innenliegende Kanäle

Kanäle, Hinterschnitte und Rippen entstehen ohne zusätzliches Formwerkzeug. Kostenlos ist Komplexität trotzdem nicht: Druckverfahren, Bauraumnutzung, Handhabung, Entpulvern, Sintern und Nachbearbeitung bestimmen den Aufwand.

Funktionen integrieren: drei Einzelteile werden zu einem integrierten Rohteil

Funktionen und Bauteile zusammenführen

Mehrere Teile einer Baugruppe werden zu einem Rohteil. Fügestellen, Montage und die zugehörigen Prüfungen können entfallen – die Prüfung des fertigen Bauteils, etwa auf Dichtheit, entfällt dadurch nicht automatisch.

Varianten ohne Formwerkzeug: drei Flanschvarianten, die nur durch eine CAD-Änderung entstehen

Varianten ohne jeweils neues Formwerkzeug

Eine Variante beginnt als CAD-Änderung, nicht als neues Werkzeug. Je nach Änderung müssen Fertigung und Sinterverhalten erneut bewertet werden.

Illustratives A-MIM-Bauteilkonzept: Verteilerkörper aus Edelstahl mit fünf Gewindeanschlüssen und zwei Befestigungslaschen, nur die Funktionsflächen sind bearbeitet

Weniger Materialabtrag, gezielte Nachbearbeitung

Das Rohteil entsteht nahe an der Endform. Zerspant wird dort, wo die Funktion es verlangt – das spart Material und oft Aufspannungen gegenüber der Bearbeitung aus dem Vollen.

Drei Grundprinzipien

Rohteil zuerst denken: A-MIM-Rohteil mit integrierten Rippen, Anschlüssen und Befestigungslaschen
1
Rohteil sinnvoll gestalten
Form und Funktionen dort ins Rohteil legen, wo es Montage oder Zerspanung spart. Mehr dazu
Sintern mitdenken: gebogenes Bauteil liegt auf einem formangepassten keramischen Setter
2
Sintern berücksichtigen
Beim Sintern wird das Bauteil vorübergehend weich und schwindet. Massenverteilung und Auflage im Ofen beeinflussen das Ergebnis. Mehr dazu
Nacharbeit lokal halten: nur Gewindebohrung und Befestigungsauge sind bearbeitet, der Rest bleibt Rohteiloberfläche
3
Nachbearbeitung gezielt einsetzen
Festlegen, welche Flächen eine engere Toleranz oder bessere Oberfläche brauchen, als das Sintern liefert. Mehr dazu

Orientierung: wann es schwieriger wird

Ausgeschlossen ist dadurch nichts – entscheidend ist der Vergleich der gesamten Fertigungskette bis zum einbaufertigen Bauteil. Genauer hinsehen lohnt sich bei Bauteilen über etwa 150 × 100 × 80 mm oder 60 cm³, bei sehr kleinen oder filigranen Teilen, bei Formen, die im Ofen durchhängen, bei fast überall engen Toleranzen, bei einfachen Dreh- und Frästeilen, unter etwa 50 Stück und ab etwa 50.000 identischen Teilen im Jahr. Alle Grenzen mit Zahlen und Begründung

Ob ein Bauteil grundsätzlich geeignet ist, ob eine konstruktive Verbesserung es wirtschaftlicher macht und welche Prozessauslegung die Fertigung braucht, sind drei verschiedene Fragen. Was das bedeutet

Wie Sie mit Ihrem Bauteil weiterkommen

1
CAD-Datei hochladen
STEP, STL, 3MF, OBJ oder IGES – die vorhandene Konstruktion genügt.
2
Angaben ergänzen
Stückzahl, gewünschter Werkstoff und Ihr Anliegen. Weitere Anforderungen sind optional.
3
Rückmeldung per E-Mail
Sie erhalten eine Eingangsbestätigung, das FIT-Team sieht sich das Bauteil an und meldet sich.
Zum Bauteilcheck →

Im Detail erklärt